Hans Strand
Hans Strand zählt seit Jahrzehnten zu den prägendsten Stimmen der europäischen Landschaftsfotografie. 1955 in Marmaverken, Schweden, geboren, fand er vergleichsweise spät zur Fotografie: Während einer Reise in die USA kaufte er 1981 seine erste Ausrüstung und fotografierte im Yosemite-Nationalpark. Was als Faszination begann, wurde zur Berufung. Nach neun Jahren im Maschinenbau entschied er sich im Jahr 1990, seine Karriere als Ingenieur hinter sich zu lassen und sich ganz der Landschaftsfotografie zu widmen – einen Schritt, den er nie bereut hat.
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Heute ist er international anerkannt, vielfach ausgezeichnet – unter anderem mit dem Hasselblad Master Award – und weltweit publiziert. Er arbeitet bevorzugt im Mittelformat mit Hasselblad-Kameras und steht wie kein anderer für technische Präzision, kompositorische Klarheit und eine unverwechselbare Bildsprache. Seine Fotografien sind nicht zufällig entstanden, sondern das Ergebnis geduldiger Beobachtung, analytischer Gestaltung und eines tiefen Verständnisses für Geometrie, Muster und Struktur. Licht ist für ihn wichtig, doch entscheidend ist die Komposition.
Seine Motive führen ihn in die entlegensten Regionen der Erde, beispielsweise in die Arktis und Antarktis, nach Island sowie in skandinavische Wälder, an Küsten und in Feuchtgebiete. Besonders Island wurde für ihn zu einer lebenslangen fotografischen Leidenschaft. Seit Mitte der 1990er-Jahre kehrt er immer wieder dorthin zurück, um das Land über viele Jahre hinweg aus der Luft und vom Boden aus bei extremen Wetterbedingungen und sogar im Angesicht eines Vulkanausbruchs zu fotografieren. Seine Luftaufnahmen isländischer Flussdeltas, Gletscher und Vulkanlandschaften gehören heute zu den ikonischen Bildern der modernen Landschaftsfotografie. Der großformatige Bildband „Island” ist Ausdruck dieser intensiven Auseinandersetzung mit der Insel aus Feuer und Eis.
Das Werk von Hans geht jedoch weit über klassische „Grand Landscapes“ hinaus. In Projekten wie „Beyond Landscape“ oder seinen intimen Detailstudien löst er Horizonte auf und konzentriert sich auf Texturen, Linien und Strukturen. Sand, Eis, Wasserläufe oder Waldfragmente werden zu abstrakten Kompositionen, die an expressionistische Malerei erinnern. Als Jugendlicher selbst begeisterter Maler, überträgt er dieses Gespür für Fläche und Form in die Fotografie. Seine Bilder zeigen nicht nur Orte, sondern auch Kräfte: Erosion, Gravitation, Wachstum und Zeit.
Ein zentrales Element seiner Arbeit ist Wasser. In seinem Buch „Aqua“ widmet er sich unter anderem den drei Aggregatzuständen – Eis, Flüssigkeit und Dampf – und zeigt, wie Wasser Landschaften formt und zugleich selbst bedroht ist. Der Rückzug der Gletscher, die Veränderung von Ökosystemen und die Auswirkungen des Klimawandels sind Themen seiner jüngeren Arbeiten. Mit dem Projekt „Manmade Land” richtet er den Blick verstärkt auf den menschlichen Einfluss: landwirtschaftliche Monokulturen, geometrisch geformte Felder und Eingriffe in fragile Systeme. Aus der Luft wirken diese Strukturen ästhetisch faszinierend und zugleich beunruhigend. Schönheit und Mahnung liegen nah beieinander.
Trotz aller künstlerischen Raffinesse bleibt seine Nachbearbeitung bewusst zurückhaltend. Sein Credo: Weniger ist mehr. Die digitale Technik dient der Präzisierung dessen, was er vor Ort gesehen und empfunden hat, nicht der Verfremdung. Seit Jahrzehnten arbeitet er parallel zu seinen Farbarbeiten auch in Schwarzweiß und nutzt das Medium experimenteller, freier und persönlicher.
Neben seiner fotografischen Arbeit engagiert sich Hans intensiv als Mentor und Workshopleiter, sowohl in Island, Schweden und Spanien als auch im Rahmen langfristiger Mentorship-Programme. Er vermittelt sein Wissen über Komposition und realistische Bildbearbeitung mit großer Klarheit.
Hans lebt heute in der Region Stockholm. Neben der Fotografie gilt seine große Leidenschaft der klassischen Musik – und, wie er selbst gern erwähnt, guten Burgunderweinen.
[ Text 10Fotos ]
10Fotos meint: Hans Strand hebt die Landschaftsfotografie auf ein Niveau, das weit über das reine Abbilden hinausgeht. Seine Bilder sind keine Postkartenidyllen, sondern visuelle Essays über Zeit, Kräfte und Veränderung. Sie verbinden technische Meisterschaft mit künstlerischer Tiefe und intellektueller Klarheit. Besonders beeindruckt uns, wie er Schönheit und Ernsthaftigkeit vereint – wie seine Fotografien zugleich ästhetisch überwältigen und zum Nachdenken anregen. Hans ist nicht nur einer der renommiertesten Landschaftsfotografen Europas – er ist ein Maßstab.
Weitere Bilder und vertiefende Einblicke in das Schaffen von Hans Strand sind auf seiner Website www.hansstrand.se sowie auf seinem Instagram-Kanal @hansstrandofficial zu finden.
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